Erste Erwähnung des Namen Mattmüller

Die früheste Urkunde, die ich gefunden habe, stammt aus dem 15. Jahrhundert:

„1433, Sept. 25. Konrad Schmaldienst von Rotweil übergibt dem Konrad Mattmüller daselbst einen halben Acker neben der Mattmühle gegen die Verpflichtung, von dem Mühlbach nach den unterhalb gelegenen Äckern einen Kehner herzustellen, damit diese zu Wässerwiesen angelegt werden können.“[1]

Rotweil (Abkürzung von Oberrotweil) ist heute ein Ortsteil der Stadt Vogtsburg im Kaiserstuhl (Deutschland). Acker ist ein altes Flächenmass unterschiedlicher Grösse. Die Angaben schwanken von 19 bis 64 Aren.[2] Wässerwiesen sind Wiesen, die mit Hilfe eines Grabensystems und kleinen Weihern bewässert wurden.[3] Ein Kehner dürfte ein Kännel oder Kanal sein.[4]

In einer weiteren Urkunde heisst es:

1471, Febr. 5. Klevin Mattmüller von Rotweil zinst den Augustinern zu Breisach für ein gewisses Kapital 1 Gulden auf Martini und setzt unter anderem 6 Mannshauet Reben an der Eyke, die Mattmühle, 1 ½ Jauchert Matten, die Mühlmatten zu Pfand.“[5]

Martini ist jeweils am 11. November (Martinstag). Die Kaufkraft eines Gulden zu eruieren ist schwierig. Gefunden habe ich folgende Angaben: Im Jahre 1450 kostete ein strohgedecktes hölzernes Bauernhaus 6-8 Gulden, ein Ackergaul entsprach ca. 7 Gulden und 3 Kühe ebenfalls ca. 7 Gulden; für 1499 werden die gleichen Werte angegeben.[6] Mannshauet ist ein Flächenmass im Weinbau, entsprechend der Fläche, die ein Mann in einem Tag mit der Grabgabel hauen (umgraben) kann.[7] 1 Mannshauet entspricht 4.5 Aren, 1 Jauchert (Juchert) sind 36 Aren.[8] Matten sind Wiesland.

Ob Konrad Mattmüller der Vater von Klevin war, ist nicht belegt, aber möglich. Ebenso ist unklar, ob beide oder einer der beiden auch Besitzer der Mattmühle waren. Die Urkunde von 1433 schliesst deren Besitz nicht aus. Es ist denkbar, dass Konrad Mattmüller mit dem erhaltenen halben Acker sein Land um die Mattmühle ausweiten konnte.

Bei der Urkunde von 1471 kann ich den Textabschnitt „[…] 6 Mannshauet Reben an der Eyke, die Mattmühle, […]“ schlecht interpretieren:
Sollte es sich um eine Aufzählung der Pfänder handeln, würde wohl die Mattmühle auch dazugehören und Klevin wäre deren Besitzer.
Sollte es sich beim Wort „Eyke“ z.B. um ein Gewässer oder markanten Geländepunkt (Eiche?) handeln, könnte die Erwähnung der Mattmühle einfach zur eindeutigen Definition des Standortes der Reben beigetragen haben und Klevin kommt als Inhaber der Mattmühle nicht in Betracht.

Gemäss unten erwähnter Urkunde von 1512 wurde die Mattmühle zu mindestens 30 Gulden verkauft. Mindestens deshalb, weil ich davon ausgehe, dass ein Teilbetrag in bar oder in Naturalien bezahlt wurde und die 30 Gulden die Restschuld betrafen. Bei einem Jahreszins von 1 Gulden kann ich mir nicht vorstellen, dass zusätzlich zu den 6 Mannshauet Reben und den 1 ½ Jauchert Matten, auch die Mattmühle zum Pfand gehörte.

Belegt ist hingegen, dass weder Konrad noch Klevin Mattmüller im Jahre 1505 Besitzer der Mattmühle waren. Spätere Urkunden im Freiherrlich Huber von Gleichenstein’schen Archiv[9] im Zusammenhang mit der Mattmühle weisen auf andere Inhaber hin:

„1505, Juni 9. Konrad Rueger zu Rotweil klagt als Vertreter des Gotteshauses St. Ulrich im Schwarzwald gegen den Inhaber der Mattmühle, Martin Müller genannt von Silbach zu Rotweil wegen nicht bezahlter Zinsen. […]

1506, Jan. 20. Martin Rinmüller genannt von Silbach zu Rotweil (vermutlich identisch mit obigem Martin Müller) klagt gegen die Augustiner zu Breisach, sie hätten ihm beim Verkaufe der Mattmühle etliche Zinse verschwiegen, durch deren Nichtbezahlung er von der Mühle vertrieben worden sei. […]

1512, Dez. 16. Nikolaus Zeller, Müller zu Rotweil, und seine Ehefrau Maria stellen den Augustinern zu Breisach einen Schuldschein aus über 30 vom Kaufe der Mattmühle her schuldige Gulden.“

Der Text zum Familiennamen Matt(en)müller im Etymologischen Wörterbuch der Deutschen Familiennamen lässt vermuten, dass Konrad Mattmüller den Beruf des Müllers ausübte. Dort heisst es: „[…] Dazu Konr. Mattenmüller, Müller zu Oberrothweil (Breisach): ZfGO, LIX, Mitt. 128“[10]  Der vollständige Text aus dieser Mitteilung 128 ist im ersten Abschnitt dieses Kapitals ersichtlich. Dort steht nichts von einem Müller zu Oberrothweil…

Im Ortsippenbuch von Ihringen findet sich beim Eintrag Nr. 1533 zu Jacob Mattmüller der Hinweis, dass der Familienname Mattmüller in Ihringen in 1558 nachweisbar sei.[11] Weitere Informationen dazu waren nicht zu beschaffen.

Fazit: Es ist zwar nicht nachweisbar, ob der im Jahre 1433 erwähnte Konrad Mattmüller der Stammvater, resp. Spitzenahn der Mattmüller ist – aber möglich.


Quellen

[1] Mitteilungen der Badischen Historischen Kommission Nr. 27, Archivalien des Freiherrlich Huber von Gleichenstein’schen Archivs zu Oberrotweil. In Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Neue Folge, Band 20 (der ganzen Reihe 59. Band). Heidelberg 1905, S. m128.
[2] Genealogisch-Etymologisches Lexikon, Band 1, 2006: 22.5 Aren in Preussen, 55.3 in Sachsen. Wikipedia: 19.1 bis 64.4 Aren. Stand 15.10.2016.
[3] Wikipedia. Stand 15.10.2016.
[4] http://www.woerterbuchnetz.de/Lexer?lemma=kanel. Stand 16.10.2016.
[5] Mitteilungen der Badischen Historischen Kommission Nr. 27. 1905. S. m129.
[6] Peter C.A. Schels. Kleine Enzyklopädie des deutschen Mittelalters, 2015. Kaufkraft des Geldes, resp. https://www.mittelalter-lexikon.de/wiki/Kaufkraft_des_Geldes. Stand 14.12.2019.
[7] http://www.woerterbuchnetz.de/Lexer?lemma=mannehouwet. Stand 16.10.2016
[8] http://www.riehener-jahrbuch.ch/de/archiv/1980er/1984/zrieche/rebbau-in-riehen–einst-und-jetzt.html. Stand 15.10.2016
[9] Mitteilungen der Badischen Historischen Kommission Nr. 27, S. m129 und m130.
[10] Brechenmacher, Josef Karlmann: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen. 2. Auflage, Band. K-Z. Limburg a.d. Lahn 1963, S. 240. ZfGO=Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins.
[11] Anna Burkhardt-Kuhny, Martin Keller: Ortssippenbuch Ihringen am Kaiserstuhl. Geschichtsverein Markgräflerland e.V. Basel 2003, S. 254.