Sechs uneheliche Kinder von fünf Partnern

Immer wieder sind in den Kirchenbüchern uneheliche Geburten verzeichnet. Oft ergänzt mit der Bemerkung „aus Hurerei“. Manchmal anerkannte der Vater die Vaterschaft, teilweise wurde sie „deklariert“, oft war sie ungewiss und das Kind erhielt den Familiennamen der Mutter. Barbara Mattmüller (rosa), geb. ca. 1765 in D-Ihringen ist diesbezüglich ein Paradebeispiel.

Im Ortsippenbuch D-Ihringen ist dazu zu lesen:

„bei o-o 1789: ‚wurde in Mengen [D] schwanger‘; bei o-o 1794, 1796 u. 1799: ledig allhier; bei o-o 1804: Ihr 5. Vergehen; Barbara M. hat insgesamt 6 o-o Kinder, von 5 verschiedenen Partnern. Sicherlich wusste der eintragende Pfarrer Johann Bürkelin, der erst 1802 seinen Dienst in Ihringen antrat, bei o-o 1804 von einem der Kinder nichts (evtl. o-o Kind *1796, starb einige Minuten nach *?) oder er zählte nur die Partner.“[1]
6 uneheliche Kinder von 5 PartnernZum Vergrössern die Grafik anklicken.

Als Vater des 4. Kindes wurde Jacob Birmelin declariert (verfügt/festgelegt). Oder war dessen Vater doch der andere Jacob: Jacob JOSEPH, von dem das 1. Kind stammte?

 

Wieso war der Pfarrer bei der Geburt von Jacob Birmelin auf der Flucht?

Die Französische Revolution (1789-1799) hatte auch Auswirkungen auf Ihringen. Klaus JACOB schreibt in Geschichte zu Ihringen:

„Einen neuen Rückschlag in der ruhigen Entwicklung Ihringens bildete die Französische Revolution. Maria Theresia hatte in den Jahren 1741 bis 1748 die Festung Breisach schleifen lassen. Was damals noch übriggeblieben war, hatten die Franzosen 1793 gründlich zerstört. Breisach war eine offene Stadt geworden, welche der Feind jederzeit besetzen und von wo er nach Willkür das rechtsrheinische Gebiet überfluten konnte. Das wurde 1799 auch mit Ihringen gründlich besorgt. Am 8. April 1799 marschierte der Feind, ohne auf österreichische Posten zu stoßen, in den armen Ort. Acht Tage später kam er zum zweiten Male. Zwei der vornehmsten Bewohner wurden als Geiseln weggeführt, weil sie sich geweigert hatten, den Franzosen das Pfarrhaus zu zeigen.“[2]

Am 10. April 1799 kam Jacob Birmelin zur Welt. Somit ist die Flucht des Pfarrers verständlich.

 

Was war ein Heimbürger?

„Im dörflichen Bereich waren Heimbürger Amtsträger, die meist nicht […] vom Ortsherren, sondern von der Ortsgemeinde bestimmt wurden. Zu den Aufgaben des Heimbürgers gehörte vor allem die Verwaltung des Gemeindevermögens und die Entscheidung über die Nutzung der Allmende; oft nahm er auch die Aufgabe des Feld- und Flurrichters wahr […]. Mancherorts fungierte er überhaupt als Vorsteher und Richter der Dorfgemeinde. In gewisser Hinsicht entsprach das Amt dann dem von der Bürgerschaft gewählten Bürgermeister in den Städten.“[3]

Oder: „Heimbürge bezeichnet regional den Schulzen oder Bürgermeister eines Dorfes.“[4]

 

Quellen
[1] Anna Burkhardt-Kuhny, Martin Keller: Ortssippenbuch Ihringen am Kaiserstuhl. Geschichtsverein Markgräflerland e.V. Basel 2003. Einträge 186, 1244, 1318, 1580 und 1581.
[2] http://kj.robertjakob.de/ihringen.htm. Stand 26.12.2015.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Heimb%C3%BCrger. Stand 4.5.2017.
[4] http://wiki-de.genealogy.net/Heimb%C3%BCrge. Stand 4.5.2017.